D&B Blog
Weltwirtschaft 2012 – Wie steht es um die Region der Welt?
Die Risikoeinschätzung für 2012 und der Ausblick auf das Gesamtjahr sehen für die meisten Regionen schlechter aus als noch vor 12 Monaten: Das Wachstum im Großteil der stärksten Volkswirtschaften wird niedriger sein als im Jahr 2011. Die USA und Japan gehören hier zu den wenigen Ausnahmen. Auch West- und Osteuropa leiden unter der Euro-Schuldenkrise und müssen im Zuge dessen mit geringem Wachstum rechnen. Und vor allem in China mehren sich die Zeichen, dass das Wachstum in diesem und dem kommenden Jahr schwächer ausfallen wird als in den zurückliegenden Jahren. Der Motor der Weltwirtschaft wird leicht gebremst.
Positive Zeichen gibt es jedoch für die erdölreichen Länder im Nahen Osten, Nordafrika und südlich der Sahara. Diese Volkswirtschaften bieten gute Investitionsmöglichkeiten, trotz steigender sozio-politischer Risiken in einigen Staaten.
Nordamerika und Mexiko
Für alle Länder der Region gibt es einen stabilen Ausblick. Trotz einiger Schwierigkeiten in der Jahresmitte 2011 haben sich die Bedingungen der US-Wirtschaft in den letzten Monaten gebessert. Dies belegen der Rückgang der Insolvenzen sowie auch das geminderte Risiko für Unternehmen, in die Insolvenz zu gehen. D&B sieht auch Anzeichen dafür, dass sich das US-Wirtschaftswachstum beschleunigen wird. Die Krisenmomente 2011, insbesondere ausgelöst durch den Tsunami in Japan, scheinen überwunden. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt scheint sich zu verbessern. Doch trotz allem bleibt das Wachstum aktuell deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Darüber hinaus werden Wechselkursschwankungen und die hohe Volatilität der Finanzmärkte als Folge der anhaltenden Eurozone-Schuldenkrise die Wirtschaft der USA sowie der angrenzenden Länder beeinträchtigen.
Europa (EU + Island, Norwegen und Schweiz)
Das Länderrisiko in Europa wird 2012 auch weiter hoch bleiben und sich in einigen Ländern sogar noch verschärfen. Die Schuldenkrise einiger Euroländer ist noch lange nicht ausgestanden. Neben Griechenland stehen auch die anderen Länder an den südlichen Rändern der Eurozone weiter vor der großen Aufgabe, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Wirtschaftswachstum ist für diese Länder derzeit nicht in Sicht. Darüber hinaus gefährden sie die Stabilität des Euros und der europäischen Finanzmärkte. Und sie bremsen das Wachstum der gesamten Eurozone. Dem Druck, der auf den Finanzmärkten lastet, versucht die Europäische Zentralbank entgegenzuwirken. Sie stellt langfristig Liquidität für die europäischen Banken zur Verfügung.
Dennoch erwartet D&B für die Eurozone im 1. und 2. Quartal 2012 eine Rezession und auf das gesamte Jahr gesehen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung der Eurozone um 0,2 Prozent. Selbst Deutschland – letztes Jahr mit 3 Prozent Wachstum noch Konjunktur-Flaggschiff in Europa – wird dieses Jahr absehbar nur magere 0,4 Prozent schaffen. Zusätzlich steigt die Gefahr sozialer Unruhen und politisch motivierter Gewalt infolge steigender Arbeitslosigkeit und aus Protest gegen zum Teil massive Sparmaßnahmen in den Schuldenländern.
Asien-Pazifik-Raum
Das Verhältnis der asiatisch-pazifischen Länder mit schlechteren Aussichten im Vergleich zu denen mit stabilen bzw. besseren Prognosen hat sich in den vergangenen 12 Monaten erhöht. Das stellt zum Teil die Reaktion auf die Schuldenkrise in der Eurozone dar, verbunden mit der Angst, deren Auswirkungen könne die Länder voll treffen. Wenn die Länder im Asien-Pazifik-Raum es schaffen, ein Übergreifen der Probleme der europäischen Finanzmärkte auf die asiatischen zu verhindern, dann stehen die Chancen für die Länder der Region gut, eine Rezession in Europa ohne großen Schaden zu überstehen.
Neben einer drohenden Rezession und der Angst vor einer finanziellen Ansteckung aus der Eurozone ist die Entwicklung Chinas die größte Sorge der Region – und nicht nur der Region. Auch der Rest der Welt blickt auf China und die Entwicklungen dort. Die Kreditrisiken in China für das Jahr 2012 im Immobiliensektor werden steigen. Vor allem der Umgang mit der Immobilienblase in China kann und wird Auswirkungen auf die gesamte Region und die Weltwirtschaft haben.
Naher Osten und Nordafrika
Die Risikoentwicklung im Nahen Osten und in Nordafrika wird durch drei wesentliche Faktoren beeinflusst: die europäische Schuldenkrise, die ungelösten Fragen um das iranische Atomprogramm in Verbindung mit drohenden militärischen Auseinandersetzungen sowie die anhaltende Unsicherheit infolge des arabischen Frühlings. Insbesondere bleiben die Ergebnisse und Folgen des arabischen Frühlings höchst ungewiss. Während sich Tunesien offenbar erfolgreich in Richtung eines demokratischen politischen Systems bewegt, ist der Fortgang in Ägypten und Libyen weniger eindeutig und zum Teil eher besorgniserregend – trotz des Sturzes beider Herrscherregime. Darüber hinaus destabilisiert die anhaltende Gewalt in Syrien das gesamte Gefüge der Region. Auch die Situation in Algerien und Jordanien könnte sich verschlechtern, wenn die Demonstranten ihren Protest gegen die Regierung fortsetzen. Auch die Sicherheitsfragen im Libanon, Iran und Irak sind unklar und unübersichtlich und bergen reichlich Brisanz in sich.
Einziger und damit wichtigster Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist und bleibt das Erdölgeschäft. Der hohe Ölpreis sorgt für satte Gewinne in den Förderländern. Davon profitieren auch die Bau- und Dienstleistungsunternehmen in ölreichen Ländern durch anhaltend hohe öffentliche Ausgaben für Infrastrukturprojekte. Hingegen verzeichnen die Sektoren mit geringer Wertschöpfung wie Land- und Ernährungswirtschaft sowie Textil- und Tourismusbranche nur geringe Wachstumsraten, vor allem aufgrund einer sehr schwachen Nachfrage aus dem Ausland.
