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Spanien: Neuer Weltmeister im Bankenrisiko?

Europameister Spanien erholt sich langsam vom Stotterstart in die Fußball-Weltmeisterschaft. Was das Länderrisiko angeht, tritt die fünftgrößte Wirtschaft Europas und die neuntgrößte der Welt aber schon lange nicht mehr wie ein Europameister auf.

Letztes Jahr schrumpfte die Wirtschaft um 3,6 Prozent und erholt sich nur langsam von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Wir erwarten auch dieses Jahr noch einen weiteren Wirtschaftsrückgang. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 20 Prozent. Die Schuldenkrise in Griechenland hat außerdem die Stimmung unter Investoren auch in Bezug auf Spanien getrübt. Das Land drücken zwar keine so hohen Staatsschulden wie Griechenland, aber das Haushaltsdefizit ist seit 2008 stark angewachsen. Die Regierung hat daher mehrere Pakete mit Sparmaßnahmen verabschiedet, die die Erholung weiter einschränken könnten.

Spaniens Schuldenkrise ist aber nur teilweise eine Krise der Staatsverschuldung. Spaniens Auslandsverschuldung ist eine der größten in der EU (als Anteil vom BIP) und übersteigt deutlich Griechenlands, Irlands und Italiens. Spaniens Leistungsbilanz ist immer noch deutlich negativ, das heißt Spanien gibt deutlich mehr aus als es selbst produziert. Die Verschuldung spanischer Haushalte ist auch ein riesiges Problem, das von der Immobilienkrise 2007-2008 noch verschärft wurde. Es ist also nicht nur die Regierung, die sparen muss, sondern besonders auch die Haushalte.

Das größte Risiko geht aber vom angeschlagenen spanischen Bankensektor aus. Notleidende Kredite aus der Zeit der Immobilienblase drücken bereits die Bilanzen vieler Banken, besonders der regionalen Sparkassen (Cajas). Die globale Finanzkrise hat diese Probleme verschärft. Und nun setzt die Schuldenkrise in der Eurozone die Bilanzen der Cajas noch weiter unter Druck. Hohe Arbeitslosigkeit und erhöhte Risikoaversion unter Investoren wegen der Schuldenkrise haben Finanzierungsrisiken für die Banken stark erhöht. Der Interbankenmarkt ist für die meisten spanischen Banken wegen der Schuldenkrise geschlossen; es ist kein Wunder, dass die spanische Zentralbank schon zwei Cajas übernehmen musste. Eine Bankenkrise würde Spaniens kurz- und mittelfristige Erholungsaussichten ersticken.

Das 750-Milliarden-Paket von EU und IWF hat zwar die unmittelbaren Schuldenfinanzierungsrisiken in Spanien und anderen gefährdeten Staaten verringert, aber mittelfristig muss sich in Spanien ein deutlicher Wandel vollziehen, um interne und externe Schulden abzubauen und das Land wettbewerbsfähiger zu machen. Da das Verlassen der Eurozone eine eher unwahrscheinliche Option ist (und daher Währungsabwertung nicht möglich ist), wird dieser Wandel schmerzhaft sein und zum Beispiel ein Senken der Lohnkosten beinhalten müssen. Eine deutlich geringere Binnennachfrage, sowohl von Staat als auch von angeschlagenen Haushalten, ist ein damit verbundenes Risiko. Exporteure und potenzielle Investoren werden Spaniens Entwicklung also mit Sorge weiterverfolgen müssen. Die Risiken einer schweren Wirtschaftskrise in Spanien sind jedenfalls mindestens genau so groß wie das Risiko, dass Spaniens Fußballer mal wieder die hochgesteckten Erwartungen unerfüllt lassen.

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